Führungskräfte

Delegieren lernen

Von Claudia Sacchi · 2016

Eine positive Ausstrahlung kommt gut an.

Von Frauen und Männern in leitenden Positionen wird viel verlangt, um Herausforderungen zu meistern und den Unternehmenserfolg sicherzustellen. Die Definition des Berufsbilds ist weit gefasst. Soziale und persönliche Kompetenz ist neben Fachwissen entscheidend. An erster Stelle steht die Kommunikationsfähigkeit.

Die legendäre eierlegende Wollmilchsau wäre als Mensch ein Manager. Denn das Aufgabengebiet von Führungskräften ist ebenso vielfältig. Sie nehmen umfassende Führungsaufgaben als Direktor, Geschäftsführer oder Vorstand in einem Unternehmen wahr. Oder arbeiten im mittleren und unteren Management, leiten Abteilungen, Bereiche oder Teams. Auch Beamten im höheren Dienst gehören dazu. Sie alle haben zumeist eine sogenannte Sandwich-Position. Sie berichten nach oben und sind selbst Vorgesetzte. Zu ihren Aufgaben gehören Planung, Organisation, Führung und Kontrolle. Oftmals repräsentieren sie das Unternehmen auch nach außen. Ihr Erfolg wird an der Leistung ihrer Mitarbeiter und den erreichten Unternehmenszielen gemessen.

Strategie und Taktik

„Führungskräfte sind dazu da, Mitarbeitern zu dienen und ihnen Hürden aus dem Weg zu räumen, damit sie gut arbeiten können“, sagt Oliver Wildenstein, Finanzvorstand des Deutschen Managerverbandes e.V. und it-Prozessmanager bei einem Finanzdienstleister. Das bedeutet zu informieren und zu motivieren, manchmal auch zu schlichten und zu kritisieren. Arbeitsanweisungen und Zielvorgaben müssen so vermittelt werden, dass die Mitarbeiter sie selbstständig und eigenverantwortlich umsetzen und dabei ihre Erfahrung einbringen können. Der Leitspruch „Wer nicht delegieren kann, braucht keine Mitarbeiter“ bringt auf den Punkt, dass Führungskräfte weniger operativ tätig sein sollten, sondern strategisch und taktisch arbeiten. Fach- und Methodenwissen wird bei ihnen vorausgesetzt. Im Fokus stehen besonders soziale und persönliche Kompetenzen. Vor allem die Kommunikationsfähigkeit nimmt einen großen Teil der Arbeit ein, sei es in Verhandlungen, Meetings, Vorträgen oder Mitarbeitergesprächen.

Vorgesetzter und Vorbild

Die weiteren von Arbeitgebern bevorzugten Eigenschaften und Verhaltensweisen hängen von der Hierarchiestufe, dem Arbeitsgebiet und der Unternehmensphilosophie ab. Oft genannt werden Selbstvertrauen, Entscheidungsfreude, Lösungsorientiertes Denken, Flexibilität, Kritik- und Konfliktfähigkeit, Authentizität und Empathie. Generell gilt, dass Vorgesetzte eine Vorbildfunktion erfüllen. Mangelt es ihnen selbst an Disziplin, können sie ihren Mitarbeiter kaum die passende Arbeitseinstellung vermitteln. Der Weg zur Führungskraft ist nicht festgeschrieben. Oft wird man ernannt, weil man fachlich hervorsticht, bereits sehr gut gearbeitet und zum Unternehmenserfolg beigetragen hat. Aber auch als Quereinsteiger oder direkt nach dem Studium – ein Hochschulabschluss ist oft Voraussetzung für den Job – ist ein Einstieg über ein Trainee-Programm möglich. Unternehmen nutzen verschiedene Diagnose-Instrumente, um Führungsnachwuchs zu rekrutieren. Zu den bekanntesten zählen das Assessment Center und das Verhaltensinterview. Top-Gehälter werden bei Banken, Pharmaunternehmen und in der Automobilindustrie gezahlt. Neben dem Verdienst, der über 100.000 Euro brutto im Jahr betragen kann, erhalten Führungskräfte in vielen Unternehmen Sonderzahlungen oder Annehmlichkeiten wie einen Dienstwagen. Außer Leistung zählen oft Berufserfahrung und Dauer der Unternehmenszugehörigkeit. Doch Führungspositionen sind nicht nur wegen des Einkommens attraktiv. Damit verbunden sind ein höherer gesellschaftlicher Status und die Anerkennung dafür, ein „Entscheider“ zu sein.

Modernes Zeitmanagement

Bei Frauen und Männern in Führungspositionen wird davon ausgegangen, dass sie sich überdurchschnittlich für den Betrieb engagieren. Leistungs- und Zeitdruck sowie die mangelnde Trennung von Beruf und Privatleben waren in der Vergangenheit fast immer synonym mit einer leitenden Position. Arbeitszeiten von über 60 Wochenstunden gelten heute jedoch nicht mehr automatisch als großes Engagement – gutes Zeitmanagement kann auch anders aussehen.