New Work

Der klassische Feierabend ist weg

Von Katharina Lehmann · 2017

Die digitale Arbeitswelt verschiebt die Grenzen der Arbeit ins Private hinein. Hier gilt es, sich abzugrenzen und zu fokussieren. Denen, die das können, bietet die New Work ein großes Potenzial, Berufliches und Privates besser miteinander zu verknüpfen.

Eine Frau arbeitet im Freien an ihrem Laptop
Entspannt an Orten arbeiten, die sich gerade anbieten.

Immer mehr Unternehmen entwickeln neue Konzepte für die Arbeit: So bleibt die neue Mircosoft-Zentrale in München dank Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensarbeitsort an so manchem Tag nahezu leer. In einem kleinen Berliner Unternehmen kommen alle Mitarbeiter nur noch montags bis donnerstags in das Büro – vom Chef bis zum Praktikanten. Coca-Cola nutzt in Berlin den Coworking-Space Jugglehub als Arbeitsplatz – in der angeschlossenen Kinderbetreuung, die stunden- oder tageweise dazugebucht werden kann, können die Coca-Cola-Mitarbeiter ihre Kinder betreuen lassen, wenn die Tagesmutter krank oder die Kita geschlossen ist. Und ein Unternehmen aus Süddeutschland mit vielen tausend Mitarbeitern setzt mit innovativen Arbeitsmodellen auf eine familienbewusste Arbeitskultur. Zu den Angeboten gehören die Möglichkeit der Arbeit im Home-Office mit entsprechend flexiblen Arbeitszeiten oder auf Betreuungszeiten abgestimmte Familienarbeitsplätze in der Produktion. Ergebnis all dieser Konzepte: weniger Krankheitstage, eine höhere Produktivität und eine bessere Stimmung im Büro. 

New Work heißt das Schlagwort, unter dem all diese Initiativen laufen. Und meint: Unter dem Einfluss des digitalen Wandels verändert sich die Art, wie wir arbeiten. Dank Smartphone und Tablet können wir von überall arbeiten; Cloud-Lösungen organisieren die Zusammenarbeit über die Unternehmensgrenzen hinweg. Doch die Digitalisierung ist nicht alles. Auch die Anforderungen der Mitarbeiter ändern sich: Sie wollen heute selbstbestimmter arbeiten und die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit erkennen.

Parallel dazu verändern sich zugleich zahlreiche Berufsbilder. Derzeit gibt es in Deutschland 343 Ausbildungsberufe, allein in den vergangenen zwölf Jahren wurden 215 novelliert, 79 kamen neu hinzu. Auch traditionelle Akademiker müssen sich umstellen. Wer hier künftig gefragt sein will, muss teilweise völlig neue Qualifikationen, anderes Wissen und vernetzte Arbeitsweisen
beherrschen.

Büro im neuen Look

New Work spiegelt sich auch in den Räumlichkeiten wider. In Zukunft wird immer weniger an festen Arbeitsplätzen und an stationären Rechnern gearbeitet. Stattdessen suchen sich Mitarbeiter mit ihren Notebooks jeden Tag aufs Neue einen Schreibtisch aus, arbeiten aber auch mal in der Cafeteria oder auf der Dachterrasse. Gleichzeitig wird die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit mithilfe von Rückzugsbereichen und Kommunikationsräumen gefördert. Arbeitsräume können aber auch ganz woanders sein: im Home-Office zum Beispiel, manchmal sogar im Ausland – dem Internet sei Dank.

Die Grenzen verschieben sich

Die Folge: Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschieben sich, die Arbeit wird noch mehr als heute „immer dabei“ sein. Umso wichtiger ist da der richtige Umgang mit der neuen Freiheit. Eine Kernkompetenz des modernen Arbeiters wird die Fähigkeit sein, sich in der Freizeit abzugrenzen und sich im Büro zu fokussieren – und sich nicht den ganzen Tag von Benachrichtigungen, E-Mails und Telefonanrufen antreiben zu lassen. Denn der klassische Feierabend ist weg und kommt auch nicht mehr wieder. Wir brauchen dagegen neue Kulturtechniken und verbindliche Absprachen – und mehr Vertrauen in das Gegenüber. Wer das hat, wird im Neuen Arbeiten ein großes emanzipatorisches Potenzial finden.

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