New Work

Die Zukunft der Arbeit

Von Gregor Lule · 2017

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Die Veränderungsdynamik betrifft nicht nur junge Menschen mit dem Wunsch nach Beteiligung und Selbstbestimmung. Auch Unternehmen stellen fest, dass sie mit traditionellen Führungsmethoden Schwierigkeiten bekommen, im Wettbewerb um die besten Talente zu bestehen.

Immer mehr Firmen entwickeln neue Konzepte der Arbeit. So kommen alle Mitarbeiter eines kleinen Unternehmens in Berlin nur noch montags bis donnerstags in das Büro und zwar vom Chef bis zum Praktikanten. Das Ergebnis dieser Initiative: Weniger Krankheitstage, eine höhere Produktivität und bessere Stimmung im Büro. Ein anderes Beispiel betrifft ein Unternehmen aus Süddeutschland mit vielen tausend Mitarbeitern. Es setzt mit innovativen Arbeitsmodellen auf eine familienbewusste Arbeitskultur. Zu den Angeboten gehören die Möglichkeit der Arbeit im Home-Office mit entsprechend flexiblen Arbeitszeiten oder auf Betreuungszeiten abgestimmte Familienarbeitsplätze in der Produktion. Von beiden Konzepten profitieren sowohl die Mitarbeiter als auch die Unternehmen. 

Selbstbestimmte Berufstätige

Beide Beispiele fallen unter das Schlagwort New Work. Auch wenn der Begriff immer mehr an Popularität in der Arbeitswelt gewinnt, ist er schon etwas älter. Bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nutzte ihn der amerikanische Philosoph Frithjof Bergmann. Dahinter steht unter anderem die Idee, die eigene Kreativität und Persönlichkeit bestmöglich zur Entfaltung zu bringen und sich durch Arbeit selbst zu verwirklichen. Heute wird der Begriff oft mit dem Wandel der gesamten Arbeitswelt in Verbindung gebracht. Flexible Arbeitszeiten statt Präsenzpflicht, Mitbestimmung statt starrer Hierarchien: Klassische Konzepte rund um das Thema Arbeit müssen in Zeiten von Work-Life-Balance und Arbeitswelt 4.0 neu gedacht werden. „Was die Bürger von ihrer Arbeit wollen, ist höchst individuell“, bemerkt Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zu diesem Thema. 

Agile Führungskräfte

Eine Konsequenz für Unternehmen: Sie bleiben nur für die Besten unter den Bewerbern attraktiv, wenn sie Arbeitsbedingungen schaffen, die den Bedürfnissen und Wünschen gerade auch von jungen Menschen entsprechen. Dazu zählt die Anpassung der Arbeitsumgebung an die veränderte Arbeitswelt – von der Gestaltung des Arbeitsplatzes über die Bereitstellung modernster Technologie-Lösungen bis hin zum Angebot verschiedener Formen des virtuellen Arbeitens. Zudem spielt für Unternehmen bei der Umsetzung neuer Arbeitskonzepte das Thema Agilität eine wichtige Rolle. Wer flexibler, prozessorientierter und mit viel Vertrauen in die Selbstorganisation von Teams führt, sorgt insgesamt für bessere Teamarbeit, höhere Kreativität und ein Plus an Leistung. Nur auf diese Weise lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und als Ergebnis auch höhere Profite erzielen. Allerdings müssen sich die handelnden Akteure bewusstmachen, dass neue Formen der Arbeit nicht auf allen Ebenen eines Unternehmens funktionieren.

Digitalisierung als Motor 

In Zukunft wird gerade die Digitalisierung die Arbeitswelt weiter stark verändern. Das gilt nicht nur für Fabriken, sondern auch für die Arbeit in Büros. Experten gehen davon aus, dass sich die Arbeit weg von etablierten Strukturen hin zu Formen der Zusammenarbeit im Sinne der New Work weiterentwickelt. So werden hochqualifizierte Fachkräfte schon bald im Rahmen von Projektarbeit Arbeitsleistungen rund um die Welt erbringen und in eigenen Special-Interest-Communities miteinander kommunizieren. Selbstmanagement entwickelt sich zu einer Kernqualifikation, Berufliches und Privates verschwimmen. Dabei darf nicht vergessen werden: Auch künftig wird es genug Menschen geben, die gerne pünktlich Feierabend machen möchten, um ihre verdiente Freizeit zu genießen.