Frauen in der Selbstständigkeit

Einfach mal die Regie übernehmen

Von Tobias Lemser · 2016

Zwar ist die Risikobereitschaft, sich eine eigene Existenz aufzubauen, immer noch niedriger als bei Männern, dennoch zeigen Frauen ein gesteigertes Interesse. Welche Vorteile eine Unternehmensgründung mit sich bringt, wo angehende Gründerinnen Hilfestellung erhalten und worauf sie bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit achten sollten – ein Überblick.

Endlich in eigener Federführung entscheiden können, was, wann und wie zu erledigen ist – allein diese Vorstellung macht es für viele hochqualifizierte Frauen attraktiv, den Schritt in die Selbstständigkeit als Karriereoption zu wagen. Und es werden immer mehr, die ihr eigener Chef sein möchten: Bei der letzten Erhebung der „bundesweiten gründerinnenagentur“ (BGA) im Jahr 2013 standen fast 1,4 Millionen Frauen beruflich auf eigenen Beinen, das entspricht einem Anteil von 32,2 Prozent aller Selbstständigen in Deutschland. Zehn Jahre zuvor waren es rund eine Million. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben stehen die Freien Berufe, etwa Unternehmensberaterinnen oder Ärztinnen. Selbstständig zu sein ist eine erfolgversprechende Alternative zu einem Angestelltenverhältnis: Zum einen ist das Monatseinkommen in aller Regel höher, zum anderen können Existenzgründerinnen ihre Arbeitszeit flexibel gestalten und ihr Talent frei entfalten.

Gute Vorbereitung ist das A und O

Damit der mutige Schritt auch gelingt, braucht es Organisationstalent, viel Disziplin und einen „kühlen Kopf“ bei eventuellen Auftragsflauten. Die Selbstständigkeit ist kein Selbstläufer, gerade in der Anfangszeit braucht man einen langen Atem. Sinnvoll ist eine gezielte Beratung, bei der frau wertvolle Tipps für die Existenzgründung erhält. Eine gute Anlaufstelle sind die Industrie- und Handelskammern. „Im Vorfeld der Beratung sollte sich die Unternehmensgründerin ein Alleinstellungsmerkmal und eine Strategie der Positionierung überlegen, die sie von ihren Konkurrenten am Markt unterscheidet und für Kunden attraktiv macht“, rät David Bothur von der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden. Finanzielle Unterstützung gibt es in Form von staatlich geförderten Zuschüssen oder sehr günstigen Darlehen. Zusätzlich sollte der kommunikative Austausch unter Gründerinnen nicht zu kurz kommen, wofür es inzwischen zahlreiche spezielle Frauennetzwerke gibt.

Mentorinnen weisen den Weg

Eine andere Art der Start-up-Beratung sind Gründerinitiativen. Das Besondere daran: Erfahrene Geschäftsfrauen fungieren als Mentorinnen und zeigen angehenden Unternehmerinnen, was es etwa bei der Erarbeitung eines Businessplans, der Verhandlung mit Banken und beim Verkauf der Produkte oder Dienstleistungen zu beachten gilt. Nicht zuletzt sind Mentorinnen in der Lage, den Gründungsinteressierten Ängste und Hemmnisse vor dem Sprung in die Selbstständigkeit zu nehmen – wichtige Hilfestellungen, damit die Abnabelung vom ehemaligen Chef nicht in einer herben Enttäuschung endet.