Fachkräftesicherung

Frau tut, was man(n) kann

Von Manuel Lippert · 2015

Der weibliche Nachwuchs fehlt - auch bei Naturwissenschaften.

In technischen Berufsfeldern sind Frauen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Um aus der Not eine Tugend zu machen, sind in den letzten Jahren vermehrt Initiativen gegründet worden, mit dem Ziel, weibliche Experten auszubilden und sie in einem traditionell von Männern dominierten Umfeld zu etablieren.

Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter, Denker und Weltmeister. Es ist gleichwohl Technik- und Wirtschaftsstandort Nummer eins in Europa. „German Engineering“ ist Sinnbild für Produkte und Know-How „made in Germany“. Dies soll auch so bleiben. Das Zauberwort heißt Fachkräftesicherung – doch genau da liegt die Crux. Laut einer aktuellen Analyse der Bundesagentur für Arbeit leiden viele Branchen immer noch unter Fachkräftemangel. Dabei beklagen vor allem technische Berufsgruppen erhebliche Engpässe. Ingenieurswesen, Maschinenbau und Co. werden als Mangelberufe diagnostiziert.

Nachwuchsförderung auf Hochtouren

Um dem entgegenzuwirken, soll verstärkt Frauen der Zugang zu sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) attraktiver gemacht werden. Zurzeit arbeiten auf diesem Gebiet lediglich 14 Prozent Frauen als ausgebildete Fachleute. Initiativen wie „Komm, mach MINT“ setzen sich daher mit Hochdruck dafür ein, Mädchen und Frauen für technische Berufe zu begeistern und sie frühzeitig gezielt zu fördern. Mehr als 190 Unternehmen von der AUDI AG bis zum ZDF haben sich bereits dem breiten Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft angeschlossen, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Sommer 2008 ins Leben gerufen hat.

Theorie und Praxis

Die Grundannahme, dass frau tun will, was man(n) kann, scheint sich insbesondere auf akademischer Ebene zunehmend zu bewahrheiten. Daten des Statistischen Bundesamtes belegen: Die Zahl der Studienanfängerinnen in mint-Fächern ist seit 2008 stark angewachsen. Zurückzuführen ist dies auch auf die kooperative Beweglichkeit vieler Universitäten, Frauen für technische Studiengänge zu gewinnen. „Warum soll ich nur Männer ansprechen? Da nutzen wir nur die Hälfte unseres Potenzials. Wir beteiligen uns da an verschiedenen Projekten“, sagt Wilfried Grunau, Sprecher der Hochschule Emden/Leer. So ist der Anteil der Studentinnen dort im gesamten Fachbereich Technik in den vergangenen Jahren um ein Viertel auf 25 Prozent gestiegen. In der Praxis hingegen scheint noch Luft nach oben. „Zwar wurde schon bei meiner Ausbildung zur Feinmechanikerin 1988 darauf geachtet, mindestens ein bis zwei Frauen dabei zu haben“, erinnert sich Christine K. (44), die als Konstrukteurin und Entwicklerin in einem Unternehmen für Kunststoffverarbeitung tätig ist. Doch 26 Jahre später fanden sich bei ihrer Weiterbildung zur Maschinenbautechnikerin unter 61 Teilnehmern nur drei Frauen wieder. Heute ist Christine K. die einzige weibliche Fachkraft in ihrem Betrieb.