Karriere unter Männern

Gleichberechtigung oder Geschlechterkampf?

Von Nadine Effert · 2015

Zwischen Frauen und Männern haben schon so einige Schlachten stattgefunden. Die gegen die klassische Rollenverteilung, für sexuelle Selbstbestimmung und berufliche Chancengleichheit. Zwar dringen immer mehr Frauen in Männerdomänen und Chefetagen vor, in Sachen Einkommen hinken sie jedoch hinterher.

Zugegeben: Es gibt klassische Frauenberufe und Felder, in denen Männer dominieren. Was aber nicht heißt, dass frau nicht auch unter Männern durchstarten kann – sei es als Informationselektronikerin, Ingenieurin, Maurerin oder Tischlerin. Dass das weibliche Geschlecht in „Männerdomänen“ immer wieder auf Hindernisse stößt oder solche Berufe erst gar nicht ergreift, liegt hauptsächlich an traditionellen Geschlechterbildern, aber auch an falschen Vorstellungen. Dabei verschenken Frauen oftmals die Chance auf Karriere und guten Verdienst.

Frauen erwünscht

Beispiel: mint. Den Studiengängen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik stehen Abiturientinnen bislang jedoch distanziert gegenüber, so ein Ergebnis einer aktuellen Studie der Akademie der Technikwissenschaften, Acatech. Dabei werden Akademiker händeringend gesucht. Laut Institut für Berufsbildung (BIBB) vollzieht sich auch die Eroberung männertypischer Ausbildungsberufe wie Maler und Lackierer, Dachdecker oder Mechatroniker zögerlich. „Man kann die jungen Leute nur ermutigen, sich für Berufe zu interessieren, die bislang eher dem anderen Geschlecht vorbehalten waren, um so ihr Spektrum an Ausbildungschancen zu erweitern“, erklärt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. Doch auch wenn frau ihre Chancen nutzt, hat sie in puncto Gehalt trotzdem das Nachsehen.

Enorme Einkommensunterschiede

Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. Neu ist diese Erkenntnis, im Fachjargon Gender-Pay-Gap genannt, nicht: Laut Statistischem Bundesamt liegt der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen 22 Prozent unter dem ihrer männlichen Kollegen. Doch eine im Jahr 2014 veröffentliche Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) brachte noch viel größere Einkommensunterschiede zutage. Dort heißt es: „Frauen erzielen im Durchschnitt nur die Hälfte des Einkommens der Männer“. Vor allem bei den höheren Gehältern geben Männer den Ton an. Bei einem Bruttoeinkommen von über 40.000 Euro im Jahr gibt es mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen. Liegt es über 75.000 Euro finden sich nur noch 20 Prozent Frauen. Ein Grund: Noch immer gibt es vorrangig in Führungsetagen weniger Frauen. Der Anteil ist zwar im vergangenen Jahrzehnt von 22 auf 30 Prozent gestiegen, von Gleichberechtigung kann jedoch nicht die Rede sein. Neben der Einführung der Frauenquote für große Unternehmen und den öffentlichen Dienst ab 2016, sind alle Arbeitgeber in der Pflicht, Frauen den Weg nach oben zu ebnen – zum Beispiel über eine kontinuierliche Personalentwicklung, die Frauen von Anfang an in die Karrie­re­planung einbezieht.