Familienfreundliche Unternehmen

Kinder und Karriere – warum nicht?

Von Wiebke Toebelmann · 2015

Der wichtigste Erfolgsfaktor im Unternehmen ist der Mensch. Vor allem, um gute weibliche Mitarbeiter zu halten, ist eine familienfreundliche Firmenpolitik unumgänglich. Ob flexible Arbeitszeiten oder gar Betreuungskonzepte – immer mehr Arbeitgeber werden sich ihrer Verantwortung bewusst.

Es lässt sich nicht schönreden: Die Versorgung von Kindern kann zum Zerreißakt werden, denn gewöhnlich hat ein Angestellter im Unternehmen kaum Handhabe und ist auf das Entgegenkommen seines Chefs angewiesen. Eine Herausforderung, vor der insbesondere Frauen stehen. Das Bewusstsein ist zumindest allseits vorhanden: Laut Unternehmensmonitoring 2013 des Bundesfamilienministeriums schätzen acht von zehn Unternehmen die Bedeutung von Familienfreundlichkeit als wichtig ein. Doch was heißt das konkret?

Nicht auf Quantität, sondern auf Qualität setzen

Fakt ist: Die klassisch festen Arbeitszeiten sind passé. Flexible Arbeitszeitmodelle sollten für ein Unternehmen, das den Anspruch hat, familienbewusst zu sein, dazugehören. Eine Möglichkeit, die gerade Eltern zu Gute kommt, sind Gleittage, bei denen ein Zeitguthaben „angespart“ und im Bedarfsfall flexibel eingesetzt werden kann. Auch die Einrichtung von Arbeitszeitkorridoren ist denkbar sowie die Option, jederzeit – in dem Falle unbezahlt – Urlaub zu nehmen. Eine Bezahlung, die auf Erfolg beruht und weniger auf vollbrachten Arbeitsstunden, ist eine weitere Möglichkeit. Und wenn ein Kind schwer erkrankt ist und Pflege bedarf, kann auch eine bezahlte Freistellung erfolgen, ebenso im Fall der Sterbebegleitung eines Angehörigen.

Kinder im Büro?

Kinder können obendrein in den Büroalltag eingebunden werden. Immer noch viel zu wenige Firmen und auch öffentliche Einrichtungen verfügen über einen Betriebskindergarten. Dabei hat die angestellte Mutter eine Sorge weniger und arbeitet womöglich effizienter und entspannter, wenn sie ihr Kind im selben Gebäude und in guten Händen weiß. Ein Weg, die Familie einzubinden anstatt sie zu ignorieren ist die Ausrichtung regelmäßiger, kindgerechter Veranstaltungen. Weitere Maßnahmen können familienspezifische Angebote zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge sein, oder, in familiären Notsituationen, ein Eltern-Kind-Arbeitszimmer für Betreuungsengpässe. Ist der Mitarbeiter gezwungen, zu Hause zu bleiben, kommt auch Telearbeit in Frage. Kann er nicht regelmäßig im Büro erscheinen, lässt sich dann zumindest ein Teil von seinem heimischen Schreibtisch aus verrichten. Und was hat ein Unternehmen davon, familienfreundlich zu sein? Es kann etwa durch punkten, sich dadurch einen Namen machen und mit entsprechenden Maßnahmen sogar die Marktposition stärken – zieht es doch gute (weiblich) Fachkräfte an und sorgt für erhöhte Motivation bei der Belegschaft. So etwas darf man dann wohl eine Win-Win-Situation nennen.