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Unternehmensporträt

Potenzial nutzen

Von Bundesinstitut für Berufsbildung · 2016

Neue Wege für die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen: Wenn für die Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses Unterlagen fehlen oder unvollständig sind, können die Kompetenzen im Rahmen einer Qualifikationsanalyse festgestellt werden. Insbesondere geflüchtete Menschen können von dieser neuen Möglichkeit profitieren.

Der Syrer Fares Schammas (40) beantragte 2001 Asyl in Deutschland. Zunächst war er in vielen Aushilfsjobs tätig, seit 2015 kann er dank der Anerkennung in seinem erlernten Beruf als Tischler arbeiten.

Von klein auf hatte Fares Schammas (40) den Geruch von frisch gehobeltem Holz in der Nase. In seiner Heimat Syrien hatte seine Familie drei eigene Tischlereien, er und seine sieben Brüder haben alle Tischler gelernt. Bis zu seinem 26. Lebensjahr half er seinem Vater, das Unternehmen weiter aufzubauen. 2001 musste Schammas Syrien verlassen und beantragte Asyl in Deutschland, wo bereits einer seiner Brüder lebte. Er hatte auch einen professionellen Anreiz: „Deutschland ist weltweit berühmt für sein Handwerk.“ Dennoch folgte zunächst Ernüchterung: Ohne Arbeitserlaubnis und mit geringen Deutschkenntnissen hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Seinem ursprünglichen Beruf kam er in dieser Zeit als Zimmermannhelfer am nächsten: „Das hatte etwas mit Holz zu tun und hat mir Spaß gemacht.“ Aber auch als Schammas besser Deutsch sprach, gelang ihm trotz intensiver Suche noch nicht der berufliche Durchbruch: „Es war schwierig ohne Gesellenbrief.“ 2012, mit dem neuen Anerkennungsgesetz, bot sich die große Chance: Schammas stellte den Antrag auf eine offizielle Anerkennung seines Berufsabschlusses.

Berufliche Kompetenzen können auch praktisch nachgewiesen werden.

Aber die Unterlagen erlaubten kein zuverlässiges Urteil über die Inhalte und die Qualität seiner Ausbildung. Ein Gespräch mit Schammas vermittelte den Experten der Handwerkskammer in Mannheim allerdings den Eindruck, dass er durchaus die wesentlichen Kenntnisse besitzt, die für einen Tischler – auch hierzulande – erforderlich sind. Und so bot man ihm an, die fehlenden schriftlichen Nachweise über seine berufliche Kompetenz einfach „praktisch“ mit einer sogenannten „Qualifikationsanalyse“ nachzuweisen. Gesagt, getan. Um die volle Gleichwertigkeit seines Berufsabschlusses zu erreichen, musste Schammas (wie alle Tischler aus dem Ausland) die für den Beruf notwendigen, weil sicherheitsrelevanten, Maschinenkurse belegen. Ein Betriebspraktikum und drei Maschinenkurse später war auch diese Hürde genommen: „Jetzt habe ich eine offizielle deutsche Bescheinigung, dass ich das kann, was auch ein deutscher Tischler kann.“ Mittlerweile arbeitet er wieder in seinem Traumberuf – und das in Festanstellung bei der Firma Ruchti-Ladenbau in Oftersheim (Baden-Württemberg). Durch die Anerkennungsverfahren können in Deutschland viele Fachkräfte beruflich durchstarten. Aber auch Betriebe profitieren von den Möglichkeiten der beruflichen Anerkennung, indem sie vorhandenes Potenzial in ihrer Belegschaft nutzen und bei der Personalrekrutierung ausländische Qualifikationen besser mit dem deutschen Abschluss vergleichen können. Alle Informationen dazu sind auf dem Portal „Anerkennung in Deutschland“ zusammengestellt – auf Deutsch, Englisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch, Rumänisch, Spanisch, Türkisch und in Kürze auch auf Arabisch.

Alle Informationen auf einem Portal – in bald neun Sprachen

Das Portal bietet viele Unterstützungsmöglichkeiten für die Antragstellung. Wichtigster Service ist der sogenannte „Anerkennungs-Finder“, der in deutscher und englischer Sprache verfügbar ist. Mit wenigen Klicks erhält man hier die wichtigsten Informationen, um einen Antrag zu stellen: Nach Eingabe des Berufs und des gewünschten Arbeitsorts leitet das Tool zur Adresse der Anerkennungsstelle. Außerdem werden im „Anerkennungs-Finder“ alle wichtigen Informationen für die Antragstellung zusammengefasst – zum Beispiel, welche Unterlagen man dafür benötigt.

Darüber hinaus bietet das Portal zahlreiche weitere Inhalte, darunter:

  • Beratungsangebote für die Antragstellung (online, telefonisch und vor Ort)
  • Weitere Informationen zu „Qualifikationsanalysen“ (Berufsanerkennung bei fehlenden und oder unvollständigen Unterlagen)
  • Erfahrungsberichte von Personen, die das Anerkennungsverfahren durchlaufen haben
  • Profifilter mit einer Expertensuchfunktion zur Anzeige von Berufsprofilen und zuständigen Stellen
  • Rechtliche Grundlagen und Neuerungen wie beispielsweise Gerichtsurteile zum Thema Anerkennung
  • Rubrik „Daten und Berichte“ mit Statistiken zu Anerkennungsverfahren- und Beratung (beispielsweise nachgefragte Berufe)
  • Downloadbereich mit mehrsprachigen Erklärvideos und Flyern
  • FAQ zur beruflichen Anerkennung


Kontakt

Bundesinstitut für Berufsbildung
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E-Mail: zentrale@bibb.de