Männerdomänen

Schluss mit Klischees!

Von Lars Christiansen · 2016

In der Kfz-Werkstatt stehen Frauen „ ihren Mann".

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Frauen die alten Mauern klassischer Männerberufe gerade anfangen einzureißen. Das liegt auch daran, dass um junge Mädchen sowohl von den Firmen als auch von der Politik massiv geworben wird. Und auch Geld spielt eine Rolle.

Technische und naturwissenschaftliche Berufe? Die stehen bei Mädchen eher selten auf der Wunschliste. Das soll der alljährlich stattfindende Girls’ Day ändern, indem er Schülerinnen dazu animiert, in eher mit Männern besetzten Berufen Fuß zu fassen. Der Aktionstag soll zeigen, dass Frauen „alles können“, sagt Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschafts- und Energieministerium. „Wir brauchen diesen Tag, weil wir statistisch immer noch wissen, dass Mädchen sehr viel weniger in MINT-Berufe gehen und sich selbstständig machen.“ Doch gibt es kleine Lichtblicke am Ende des Ausbildungstunnels.

Anteil in „Männerberufen“ nimmt zu

Eine 2016 veröffentlichte Studie des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) zeigt: Der Anteil der Frauen in klassischen Männerdomänen steigt. In rund 80 von 105 untersuchten „Männerberufen“ ist der Anteil weiblicher Auszubildender in den letzten elf Jahren gestiegen. Die Zuwächse sind nicht groß, aber „der Trend ist unverkennbar“, heißt es in der Studie. Unter den 25 häufigsten Berufen gibt es mittlerweile drei Favoriten: Bei den Malern und Lackierern stieg der Anteil seit 2004 um 6,5 Punkte auf fast 16 Prozent, bei den Tischlern kletterte er im selben Zeitraum von sieben auf zwölf Prozent. Der Frauenanteil bei den Bäckern lag 2015 bei 26 Prozent. Damit fällt der Bäcker als klassischer Männerberuf, also in denen vier von fünf Azubis männlich sind, aus der Statistik raus. Die Autoren der Studie nehmen an, dass Geld bei diesem Trend eine Rolle spielt. Mittlerweile habe sich wohl herumgesprochen, dass schon in den Lehrjahren mehr im Portemonnaie landet: In der Ausbildung erhalten Frauen dort im Schnitt 848 Euro monatlich, bei den typisch weiblichen Berufen sind es nur 724 Euro.

Wertewandel auf dem Bau

Auch bei den Unternehmen findet ein Umdenken statt, ein Wertewandel wird vollzogen. Galt in Westdeutschland bis 1994 noch ein gesetzliches Beschäftigungsverbot für Frauen etwa im Baugewerbe, wird heute um weibliche Arbeitskräfte geworben. „Frauen haben ebenso das Potenzial, Wände zu mauern oder Baumaschinen zu führen“, sagte Dietmar Schäfers von der IG BAU jüngst in einem Interview. Aufhorchen lässt zudem, dass Frauen außerhalb Europas am Bau Normalität seien. „In den USA gibt es Baubetriebe mit 100 Prozent Frauenanteil, die sich seit Jahrzehnten gut behaupten. In Asien und Afrika arbeiten manchmal mehr Frauen als Männer im Baugewerbe. An der angeblich fehlenden Eignung der Bauarbeit für Frauen kann es also nicht liegen.“