Selbstständigkeit

Sein eigener Boss sein

Von Thomas Bleibtreu · 2016

Gute Planung und Finanzierung sind Garanten für Erfolg.

Mehr als 300.000 Gründerinnen und Gründer starten jedes Jahr ein eigenes Unternehmen. Beim Weg in die Selbstständigkeit sind Mut und Kreativität gefragt. Doch bevor man mit der eigenen Firma an den Start geht, gibt es viele Fragen zu klären und Dinge zu regeln.

Deutschland ist ein Gründerland. Nicht weniger als rund 306.000 Gründerinnen und Gründer wagen jährlich im Vollerwerb den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit. Hinzu kommen noch einmal 562.000, die ihr eigenes Geschäft im Nebenerwerb aufbauen. Als eigene Chefin oder Chef beweisen sie viel Mut und Kreativität. Aber: Für viele platzt der Traum von der Selbständigkeit ganz schnell wieder. Laut KfW-Gründerkompass scheitern rund 30 Prozent aller Gründer bereits in den ersten drei Jahren nach der Gründung. Innerhalb von sechs Jahren liegt die Rate sogar bei 50 Prozent. Kein Zweifel, der Weg in die Selbstständigkeit ist mit zahlreichen Hindernissen gespickt, die angehende Selbstständige und Freiberufler in Angriff nehmen müssen. Dabei spielt von vorn herein die eigentliche Geschäftsidee eine wesentliche Rolle. Ist das Produkt oder die Dienstleistung, die man als junges Unternehmen anbieten will, überhaupt tragfähig, gibt es einen Markt dafür und wie sieht es mit möglichen Wettbewerbern aus? Entscheidend sind aber auch Fragen, die man an sich selbst stellen muss: Besitzt man überhaupt die für eine Gründung notwendigen fachlichen und kaufmännischen Qualifikationen, sind gegebenenfalls entsprechende Coachings vonnöten?

„Fulltime“ oder Nebenberuf

Hat man diese Fragen positiv beantwortet, kann die Planungsphase beginnen. Hier muss neben der eindeutigen Firmenbezeichnung natürlich geklärt werden, ob man zunächst eine nebenberufliche Selbstständigkeit ausprobieren oder gleich „Fulltime“ starten will. Von großer Bedeutung im Vorfeld der Gründung ist auch die Klärung von Rechtsfragen. So sichert etwa ein Markenschutz für die Produkte und Dienstleistungen die Position im Wettbewerb. Das ist allerdings keine Einbahnstraße. Auch Gründer müssen darauf achten, keine bestehenden Schutzrechte zu verletzen. Wie nahezu überall gilt auch bei einer Gründung fast immer die Regel: „Ohne Moos nix los“. Das heißt, dem Bereich Finanzierung muss bei der Planung ein hoher Stellenwert beigemessen werden, bedeutet eine Selbstständigkeit doch zunächst Investitionen und Kosten. Insofern sollte sich ein klares Finanzierungsmodell in einem schlüssigen Finanzplan wiederfinden, der im Rahmen eines sogenannten Businessplans erstellt wird. Im Finanzplan ist fixiert, welchen Kapitalbedarf man für die Firmengründung hat. Zur eigentlichen Unternehmensfinanzierung können dann Fördermittel, Eigenkapital, Kredite oder Zuschüsse genutzt werden.

Suche nach geeignetem Standort

Will man seine Firma nicht in den eigenen vier Wänden gründen, sondern ein Büro, ein Ladenlokal, eine Werkstatt oder ein Restaurant mieten, dann muss man sich zwangsläufig nach dem geeigneten Standort umsehen. Es gibt zahlreiche wichtige Faktoren, die bei der Standortfrage zu berücksichtigen sind, so zum Beispiel die Erreichbarkeit für Kunden und Lieferanten, infrastruktureller Anschluss, Lage et cetera. Auf keinen Fall vergessen: Ohne Ämter geht auch bei einer Firmengründung nichts. Zahlreiche Anmeldungen sind Pflicht und Bußgelder drohen, wenn es versäumt wird. Und schließlich kann man ohne eine Steuernummer vom Finanzamt auch keine Rechnungen schreiben. Fast ebenso wichtig ist die frühzeitige Klärung von Versicherungsfragen. Schließlich geht es auch darum, sowohl private als auch gewerbliche Risiken für die Selbstständigkeit zu vermeiden. Für viele Risiken, die man selbst nicht beeinflussen kann, gibt es Versicherungen, damit die finanziellen Auswirkungen nicht schon ein frühes Ende der Selbstständigkeit bedeuten.

Werbung und Kundenakquise

Last but not least steht und fällt alles mit dem Kunden. Ist die Firma also endlich gegründet, geht es darum, Kunden zu gewinnen, um den Markteintritt erfolgreich zu bewältigen. Werbung und Kundenakquise sind angesagt. Dies kann auf verschiedenen Wegen geschehen, von der „Mund-zu-Mund-Propaganda“ über Werbeflyer bis hin zur Schaltung von Anzeigen und Werbespots. Auch empfehlen sich Auftritte auf Gründermessen oder anderen entsprechenden Events. Um sich aber nicht (auch finanziell) zu verzetteln, empfiehlt es sich, schon im Vorfeld der Gründung ein stimmiges Marketingkonzept zu entwerfen und umzusetzen.