Ausbildung

Wege und Umwege in den Beruf

Von Hanna Wagner · 2016

Die Ausbildungswege in Deutschland sind so vielfältig wie in kaum einem anderen europäischen Land. Immer mehr Schulabgänger entscheiden sich für ein Studium – und gegen eine Berufsausbildung. Der Trend zur akademischen Ausbildung sorgt vor allem im Mittelstand für einen Fachkräftemangel und Umsatzeinbußen. Dabei fehlen nur Anreize, die die berufliche Lehre wieder attraktiver machen könnten.

Das neue Ausbildungsjahr ist in vollem Gange. Doch noch immer sind nicht alle Lehrstellen besetzt. Laut Statistiken des Instituts der deutschen Wirtschaft ist die Zahl der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplätze im Vergleich zum Vorjahr noch weiter gestiegen, seit 2005 hat sie sich sogar verdreifacht. Besonders schwer haben es kleine Betriebe in Ostdeutschland und im Süden der Republik. Das Rekordtief der Lehrstellennachfrage lässt sich auf den demographischen Wandel und die steigende Attraktivität der akademischen Bildung zurückführen. Nur etwas mehr als 500.000 Jugendliche schlossen im vergangenen Jahr einen Ausbildungsvertrag ab, das sind 1,4 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Ausbildungsberuf Nummer eins ist und bleibt mit 31.000 neuen Lehrlingen der Einzelhandel. An Fachkräften mangelt es dafür in den MINT-Betrieben.

Anreize und Alternativen zum Studium schaffen

Auf der anderen Seite steht der anhaltende Boom der Universitäten an. Im Wintersemester 2015/16 waren rund 2.759.267 Studenten an deutschen Hochschulen immatrikuliert. Der hohen Nachfrage folgen teilweise hohe Abbruchquoten: So scheitert mittlerweile jeder Dritte an den Anforderungen der akademischen Lehre. Alternativen zu den beiden genannten Ausbildungswegen sind duale Ausbildungen oder Berufsfachschulen.

Bekenntnis zur beruflichen Bildung

Bei dieser Ausgangslage ist es für Schüler und Schulabgänger nicht immer leicht, den für sie richtigen Ausbildungsweg zu wählen. Ausbildungsberufe müssen wieder attraktiver werden. Dafür plädiert auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag: „Generell brauchen wir in Deutschland ein klares Bekenntnis zur beruflichen Bildung. Dazu gehört auch, die Gleichwertigkeit der akademischen und beruflichen Bildung deutlich herauszustellen.“ Bei der Wahl der Lehre gilt es, die eigenen Stärken einschätzen zu können und geeignete Berufswege dahingehend zu prüfen. Praktika können bei einer Entscheidung helfen, sind oftmals sogar Sprungbrett in den Traumberuf. Für Schulabgänger gibt es eine Vielzahl an Beratungsstellen und Hilfen bei der Zukunftsplanung. Während der Ausbildung und des Studiums können junge Menschen außerdem mit der Unterstützung des Staates rechnen. In Form von zinslosen Studienkrediten und Bafög wird ihnen finanziell unter die Arme gegriffen. Auch wenn die von der Bundesregierung angestrebte Ausbildungsgarantie noch Zukunftsmusik ist – vor allem im Vergleich mit anderen europäischen Staaten bietet das deutsche Bildungssystem bereits zahlreiche Möglichkeiten für junge Menschen.