Frauen in Führungspositionen

Weibliche Talente fördern

Von Svenja Ruciman · 2016

Um an die Spitze zu kommen, brauchen Frauen mehr Biss als Männer.

Fast unvorstellbar: Bis Mitte der 1970er-Jahre benötigten Frauen in Deutschland noch die Zustimmung ihres Ehemanns, um überhaupt berufstätig sein zu können. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Doch auch heute müssen Frauen – trotz gleicher oder besserer Qualifikation – häufig viele Barrieren überwinden, um in Unternehmen Führungspositionen einzunehmen.

Sind Frauen für die Führung von Mitarbeitern weniger geeignet als Männer? Oder werden ihr Talent und ihre Fähigkeiten unterschätzt? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Gesellschaftsforscher schon lange – ohne bislang eine klare Antwort gefunden zu haben. Fest steht, dass sich zwar viele Unternehmen eine ausgewogene Verteilung der Geschlechter in ihren obersten Führungsriegen auf die Fahnen geschrieben haben, dass jedoch nur eine Minderheit den eigenen Ansprüchen gerecht wird. Im Jahr 2015 betrug der Frauenanteil in Führungspositionen bei deutschen Unternehmen ab 10.000 Mitarbeitern gerade einmal 15,8 Prozent.

Ein zäher Prozess

Eine jüngst veröffentlichte weltweite Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young ergab, dass nur 13 Prozent der globalen Unternehmen in den kommenden fünf Jahren einen deutlichen Anstieg des Frauenanteils in der Führung erwarten. Die Wahrnehmung, was die Gründe für diese Zahlen sind, ist bei Mann und Frau unterschiedl ich: Während 43 Prozent der Männer in der Studie einen Mangel an geeigneten Kandidatinnen nennen, sehen nur sieben Prozent der Frauen dies als Hauptproblem an. Sie prangern vor allem unternehmenskulturelle Defizite an, zum Beispiel zu wenig Unterstützung innerhalb der Firmen (28 Prozent), eine tendenzielle Bevorzugung von Männern (28 Prozent) sowie Schwierigkeiten in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (24 Prozent).

Kind und Karriere vereinbaren

Was aber können Unternehmen ändern, um mehr Frauen eine Spitzenposition zu ermöglichen? Eine Möglichkeit sind flexible Arbeitsmodelle, die Frauen mit Familie den Weg an die Spitze wesentlich erleichtern. So setzen einige Unternehmen auf Jobsharing auch auf Führungsebene oder auf die Möglichkeit, selbst Managementposten in Teilzeit auszuüben. Und das aus gutem Grund: Schließlich verfügen weibliche Führungskräfte häufig über mehr Intuition und Empathie, wodurch sie beispielsweise kooperativer arbeiten und Mitarbeiter besser einbeziehen als ihre männlichen Kollegen. Viele Experten nennen zudem Zielorientierung und gute Organisationsfähigkeiten als typische Eigenschaften von weiblichen Führungskräften – allein dadurch begründet, dass sie häufig für mehr Lebensbereiche die Verantwortung tragen als Männer. Natürlich soll das alles nicht bedeuten, dass Männer aus ihren Posten verbannt werden sollen. Doch Unternehmen sollten sich mehr die Vielfalt zunutze machen, die eine gesunde Mischung aus weiblichen und männlichen Führungskräften mit sich bringt.