Leitartikel

Pläne und das Quäntchen Glück

Von Karl-Heinz Möller · 2017

Komplex wie unser Wirtschaftsgefüge ist die Umsetzung eines en detail buchgeführten Karrierefahrplanes. In der Regel wird der Gang der Dinge selbst erfolgsgewöhnte Kandidaten zu diversen Volten zwingen. Die kleinen und großen Umwege auf dem Weg zum Erfolg stecken oft voller positiver und negativer Überraschungen und machen bewusst: Das Leben ist nur bedingt kalkulierbar!

Pläne und das Quäntchen Glück

Ohne einen guten Plan, wie die persönliche Karriere aussehen sollte, sei der Aufstieg in die Chefetage ein nahezu unmögliches Unterfangen. Das ist zumindest die dezidierte Meinung der Mehrheit der Personalberater. Sie sagen: „Wer keinen Plan im Leben hat, kennt die Richtung nicht, in die er sich bewegen will!“

In voller Konsequenz wird diese „goldene Regel“ oft zum Ballast. Oder: Wie tief darf der Plan ins Detail gehen, wieviel Platz bleibt für Spontanität und den Blick über den Horizont? Verfolgt man diverse Lebensläufe bedeutender Manager und Politiker, führen nicht selten günstige situativ bedingte Konstellationen zum Ziel. Weht das Mäntelchen des Glücks zu Tür herein, sollte man schnell danach greifen.

Günstige Gelegenheiten und positive Ereignisse in den Karriereplan spontan aufnehmen

Karrieremacher Zufall? Robert H. Frank, bekannter amerikanischer Ökonom, Professor und Bestseller-Autor, stellt die These auf, dass wir systematisch den Einfluss von Ehrgeiz und Begabung über- und Zufälle, günstige Gelegenheiten und Glück unterschätzen. Frank untermauert seine Behauptung mit Studien aus der Ökonomie, der Psychologie und Soziologie. 

Die Idee, nur ein grobes Raster für die Zukunft im Beruf zu entwerfen, ist womöglich ein zielführender Kompromiss. Wenn Kollege Zufall nicht zur Hilfe kommt, dürfte dem Karrieristen ein eher lockeres Business-Konzept für sein künftiges Leben helfen! Jeder Mensch hat private Ziele, Wunschvorstellungen vom Beruf und finanzielle Ansprüche. Schon die Formulierung von Minimalkriterien schaffen einen Rahmen, in dem auch Gelegenheiten genügend Raum vorfinden. 

Und die Gelegenheit, jetzt auf die Karriereleiter zu springen, ist günstig wie nie. Der Arbeitsmarkt brummt wie die Maschinen, die nach Einschätzung von Konjunkturexperten auch 2018 Wachstumstreiber in Deutschland bleiben. Hinzu kommen die weltweite hohe Nachfrage nach Autos und Ausrüstungsgütern, die für einen ähnlichen Auftrieb wie 2017 sorgen würden. Auch die gute Auftragslage in der Bauindustrie trage zu den guten Ergebnissen bei. Der Stand im September dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr in Kurzform: Zwei Prozent Wachstum des Bruttoinlandsproduktes BIP, Steigerung der Exporte um 3,5 Prozent, Zunahme der Erwerbstätigkeit um 1,5 Prozent, um 1,8 Prozent wachsende Konsumausgaben. Die deutsche Volkswirtschaft ist auf dem Wege zur Vollbeschäftigung!

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2017

Eine Ausbildung schafft Erdung zur Praxis

Wohl denen, die jetzt bereit sind, ihre beruflichen Ziele energisch umzusetzen. Zum Beispiel mit einer fundierten Ausbildung. Häufig stellt sich heraus, dass ein solider Abschluss, ideal in Form einer dualen Ausbildung, eine günstige Grundlage für beruflichen Erfolg ist. Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr mehr als 500.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Mit 29.142 Kontrakten landete die dreijährige Ausbildung zum Kaufmann oder Kauffrau im Einzelhandel auf Platz eins der Hitliste. Beliebt waren die Ausbildungen zu Kaufleuten für Büromanagement, die zweijährige Ausbildung zum Verkäufer oder zur Verkäuferin und die Ausbildung zu Kraftfahrzeugmechatronikern und zu Industriekaufleuten. Auf diese fünf Berufe entfielen ein Viertel der Neuverträge. Zu den Besonderheiten im deutschen Bildungssystem gehören die dualen Ausbildungswege. Zu einem theoretischen Teil, beispielsweise an einer 

Hochschule oder Berufsakademie mit integrierter Berufsausbildung, gehören Praxisphasen in einem Unternehmen. Von klassischen Studiengängen unterscheidet es sich durch einen höheren Praxisbezug, kennzeichnend sind außerdem die beiden Lernorte Hochschule und Betrieb. Berufspraxis und Studium sind organisatorisch und curricular eng miteinander verzahnt.

In Form von Teilzeitausbildung sind auch Berufsausbildung und Familie miteinander vereinbar. Diese Möglichkeit ist im Berufsbildungsgesetze fest verankert. Bei Teilzeitausbildung wird der betriebliche Teil zeitlich verkürzt. Junge Mütter und Väter sowie Pflegende können gemeinsam mit dem Ausbildungsbetrieb bei der zuständigen Handelskammer einen Antrag auf Verkürzung der Ausbildungszeit stellen. 

Die Strukturen auf dem Arbeitsmarkt sind unübersichtlich geworden

 Es ist keineswegs übertrieben, von einer digitalen Revolution und fundmentalen Umwälzungen zu sprechen. Auch wenn vieles nach Hymnen klingt, klopfen die Phänomene „Mobilität“, „Digitalisierung“, „Home-Office“, „Co-Working“ oder „Diversität“ an jede Bürotür oder jedes Fabriktor. Hinter jedem Begriff stecken komplexe Prozesse, die bis in die kleinsten Winkel des Berufsalltags vordringen.

„Industrie 4.0“ und „Internet of Things“ bestimmen die Zukunft. Vieles ist bereits in technologisch führenden Branchen eingeführt. In der IT-Welt beispielsweise (Stichworte Big Data, Vernetzung, Datensicherheit, Verteiltes Arbeiten et cetera) sind sie fast Normalität. Sogenannte MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) lauten die am meisten nachgefragten Kompetenzen für Beruf und Karriere, ob im Handwerk, in der Universität oder im Management. Branchen wie Medizin und Gesundheit, Handel oder Produktion verändern die Welt der Arbeit. Selbst der klassische Außendienst fährt neuerdings voll vernetzt vor und kann wie ein Regisseur den Kunden vor Ort jedes Detail eines Produktes filmreif vorführen. 

Manchmal zählt schon der Schein, um als Betrieb besonders attraktiv für Arbeitnehmer zu gelten. So zieht in jungen Unternehmen das Werben mit Diversität. In Startups und im Kosmos von Social-Media stehen Weltoffenheit, Internationalität und Vielfältigkeit weit oben auf der Agenda. Diese Unternehmen sind begehrt und per se ein Magnet für junge Arbeitnehmer. Tatsächlich mehren sich die Hinweise, dass Diversity ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Recruiting bei Startups ist. Die Tech-Gründer scheinen allenthalben ein Problem mit dem Transfer solcher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu haben. Nach einer Studie von Lawless Research erkennen 81 Prozent der Gründer an, dass Diversität ein Treiber für Innovation und Kreativität ist, doch nur zwölf Prozent haben mehr als fünf Angestellte mit entsprechendem Background. Und so bleibt alles beim Alten: Satte 84 Prozent des Entwickler-Teams bei Facebook sind männlich, ebenso wie 70 Prozent der Google-Angestellten. Die Bilanz in den Vorstandsetagen deutscher Konzerne ist ernüchternd: 93 Prozent der Manager von DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen sind Männer.

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