Arbeitsmarkt in Deutschland

Karriere – aber nicht um jeden Preis

Von Karl-Heinz Möller · 2018

Die Wahl für einen Beruf, der sowohl Spaß macht als auch eine finanzielle Grundlage bietet, gehört zu der wichtigsten Entscheidung im Leben. Sie sollte gut recherchiert und überlegt sein. Niemand kann allerdings garantieren, dass sich Berufe und Arbeitsplätze nicht verändern oder es auf dem Karriereweg mal rumpelt. Laut Umfragen wechseln 66 Prozent der Deutschen ein bis fünf Mal ihren Job beziehungsweise Arbeitsplatz. In jeder Veränderung liegt auch eine Chance. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, sagte Erich Kästner. Beste Basis dafür bietet eine solide Aus- und Weiterbildung.

Eine Frau und ein Mann telefonieren vor einer Hochhauskulisse. Thema Arbeitsmarkt in Deutschland

Das Trendthema Digitalisierung hat mittlerweile jede Branche erreicht. Entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten werden erwartet, in bestimmten Wirtschaftszweigen sind sie sogar essenziell. Tatsächlich geht die digitale Wende in extrem hohem Tempo voran und stellt Mitarbeiter vor neue Herausforderungen, eröffnet allerdings auch überraschend andere Perspektiven. Computer- und Softwarekenntnisse sind in jedem Falle wichtiger denn je und zählen als elementare Qualifikation – nicht nur bei Mitarbeitern, sondern auch auf der Führungsebene.

Ursachen der dynamischen Prozesse, die bereits jeden Winkel des Berufsalltags erreichen, bilden die enormen Umstellungen in der Wirtschaft im Zusammenhang mit Konzepten wie „Industrie 4.0“ und „Internet of Things“. Die Veränderungen in der Praxis kommen allerdings nicht plötzlich auf, sondern entwickeln sich Schritt für Schritt aus Quellen wie der Informationstechnologie oder Elektrotechnik, wo sie oft schon die Norm sind. In Form von Applikationen und Innovationen in Soft- und Hardware finden sie in der Produktion, in der Verwaltung oder im Verkauf den Weg in die Realität. Dass Unternehmen die Innovationen schnell aufgreifen und umsetzen, ist in einer Marktwirtschaft systemimmanent und der Motor für intensiven Wettbewerb und Fortschritt. 

Arbeitsmarkt in Deutschland: Mit der Digitalisierung ändern sich Geschäftsmodelle und Image

Angesichts dieser Szenarien gehört eine der vielen Weisheiten in Sachen beruflicher Aufstieg, Karriere und Erfolg, dass sich nämlich die Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte permanent verändern, eigentlich in die Mottenkiste. Vorsicht ist auch geboten, wenn Trends als magische Formeln ausgerufen werden. „Mobilität“, „Home-Office“, „Co-Working“, „Diversität“ oder „Work-Life-Balance“ sollten nicht die Funktion von Mantras einnehmen, aber als sinnvolle Elemente in ein fortschrittliches Geschäftsmodell einfließen.

Gleichwohl spielt auch das Unternehmensimage eine Rolle. So gilt es als absolut cool, mit Diversität zu werben. Gerade in Startups und im Universum von Social-Media stehen Weltoffenheit, Internationalität, Vielfalt und Vernetzung ganz oben auf der Agenda. Solche Unternehmen sind begehrt und damit wertvoll, vor allem für jüngere Arbeitnehmer, Stichwort Arbeitgebermarke. Ein solider Kompromiss ist auf der Suche nach einem Betätigungsfeld vielleicht eine gute Lösung.

Bildung und Ausbildung sind nach wie vor Garanten für eine berufliche Zukunft

Schulabgänger mit diesen Gedanken im Hinterkopf sind bestens beraten, sich einen zukunftsgewandten Ausbildungsplatz zu sichern. Die Situation dafür ist günstig. Waren früher die Unternehmen im Vorteil, als die Nachfrage noch größer war als das Angebot, hat sich das Blatt gewendet. Tausende von Ausbildungsplätzen bleiben heute unbesetzt, da der Nachwuchs in Berufen des Handwerks und der Dienstleistungen, um nur zwei Beispiele zu nennen, fehlt. 

In einer vergleichbaren Situation sind Schulabgänger, die ein Studium anpeilen. Die Wahl eines Studienfachs steht an erster Stelle und ist eine Aufgabe mit vielen Variablen. Zu Vorlieben, Wohnort, Lebensplanung und Erwartungen kommt ein recht unübersichtliches Angebot von mehr als 19.000 Studiengängen allein in Deutschland, wie das Zentrum für Hochschulentwicklung für 2017 ermittelt hat.

Entscheidungen, ob es ein Bachelor oder ein Master sein soll, oder die Wahl zwischen Rechtswissenschaften und Wirtschaftsingenieur, hat oft pragmatische Gründe. Wohnungsnot, hohe Mieten und die Vorteile von Hotel Mama haben nicht selten Einfluss auf das Fach. Wohnungen sind in den beliebten Studentenstädten außerdem schwer zu finden und ein Thema mit hoher Brisanz. Zu Beginn eines jeden Halbjahres stürmen Erstsemester auf den Wohnungsmarkt und suchen nach einer passenden Bleibe. Ein Umstand, der beispielsweise durch die doppelten Abiturjahrgänge noch schwerwiegender geworden ist.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2018

Außerdem bietet das Hotel Mama viele Vorteile

Beim Eintauchen in die digitale Welt ist Organisation ein Schlüssel zum Erfolg. Die Arbeitswelt ist unübersichtlicher geworden. Immer öfter arbeiten Angestellte und Chefs als Digitalworker von zu Hause, von Unterwegs oder an unterschiedlichen Arbeitsplätzen. Das bedeutet die Freiheit, an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten arbeiten zu dürfen. Andrerseits stellt dies eine große persönliche Herausforderung dar, sehr gut organisiert sein zu müssen. Alle Aufgaben im Griff haben, fokussiert bleiben und die richtigen Dinge zur richtigen Zeit fertig haben, lautet der Anspruch.

Diese Leichtigkeit, hinter der ein hohes Maß an Disziplin steckt, kann jeder Student schon während seines Studiums trainieren. Bereits bei der Wahl des Faches sind solche Überlegungen wichtig. Wer detaillierte Strukturen und zeitlich klar gesteckte Vorgaben unbedingt braucht, ist gut beraten mit Studiengängen wie Medizin oder Pharmazie. Weniger straff durchgetaktete Fächer wie Jura, Germanistik oder Volkswirtschaft erfordern eine höhere Eigenorganisation.

 Warum? – die alles entscheidende Frage

Welche Kriterien bei der Berufswahl und für die Karriere auch letztlich den Ausschlag geben, es steht die Frage des „Warum“ im Raum. Zwischen 1980 und 1990 Geborene beispielsweise, haben bereits die Unternehmen erobert („Generation Y“) und stellen Althergebrachtes infrage und damit teilweise die Arbeitswelt auf den Kopf. Bei den nachfolgenden Generationen, den „Digital Natives“ oder den „digitalen Ureinwohnern des Planeten Internet“, wird eine ähnliche Herangehensweise unterstellt. Dort haben Intrapreneure Konjunktur. Sie fühlen sich als Unternehmer, die auch als engagierter Arbeitnehmer mit der Einstellung eines Unternehmers an die Aufgaben herangehen. Hiervon dürfte vor allem die Gründerszene profitieren mit ihrer alternativen Kultur.

Generationsübergreifend gilt dennoch: Frei nach Mentalität und Umfeld sollte bei der Wahl des Berufswunsches und Berufsweges in groben Zügen klar sein, welche privaten Ziele, Karriereziele und finanziellen Ziele die Erfüllung versprechen. Zweifellos ist diese Entscheidung eine der Schwierigsten. Aber: Wer keinen Plan im Leben hat, kennt die Richtung nicht, in die er sich bewegen will. Vielleicht tröstet ein Zitat von Albert Einstein: „In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Chancen.“

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