MINT-Arbeitsmarkt

Tief im Minus

Von Paul Trebol · 2022

Zwei Jahre nach dem Covid19-Geschehen hat sich die Lage am Arbeitsmarkt für technische Berufe und insbesondere für qualifiziert Ausgebildete in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) verschärft. Massive Anstrengungen sind nötig, um diese Lücke zu schließen.

Junge Ingenieurin bei der Arbeit
Foto: iStock/chayathonwong

Für die kommenden fünf Jahre erwarten Wirtschaftsforschungsinstitute für 40 Prozent der Unternehmen einen steigenden Bedarf an IT-Experten und 54 Prozent an IT-Fachkräften. Unternehmen, bei denen die Digitalisierung einen sehr großen Stellenwert aufweist, liegen die Berechnungen für IT-Experten sogar bei 69 und bei 75 Prozent für IT-Fachkräfte.

Andererseits sind aufgrund der Corona-Krise in den kommenden Jahren Rückschritte bei der Fachkräftesicherung zu erwarten. Eine Ursache dafür seien die im Frühjahr 2020 und im Winter 2021 erfolgten Schulschließungen. Empirische Studien zeigen dramatische Lernverluste auf, die ohne kompensierende Maßnahmen einen Rückgang bei den PISA-Kompetenzen von etwa 19 Punkten bewirken könnten.

Steigende Nachfrage dank Dekarbonisierung

Für die Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte sind aus Sicht der Unternehmen in den kommenden fünf Jahren IT-Experten von übergeordneter Bedeutung. Bezogen auf alle Unternehmen, erwarten laut Institut der Deutschen Wirtschaft rund 32 Prozent, dass sich der Bedarf an IT-Fachkräften zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien erhöht. Bei den für die Beschäftigung besonders relevanten Unternehmen mit einer Größe ab 250 Mitarbeitenden erwarten sogar 63,2 Prozent einen steigenden Bedarf. Positiv entwickle sich die Geschlechterverteilung. Der Frauenanteil bei den Studienanfängern in Informatik legte von 19,1 Prozent im Jahr 2010 auf 22,9 Prozent im Jahr 2015 zu, stagnierte dann allerdings. Im Bereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik stieg der Frauenanteil von 2010 mit 18,8 Prozent auf 22,5 Prozent im Jahr 2020. In der Mathematik und den Naturwissenschaften liegt der Frauenanteil mittlerweile bei mehr als 50 Prozent, Tendenz weiter steigend.

Erfolge bei der Fachkräftesicherung durch Zuwanderung

Anhaltend positiv entwickelt sich der Beschäftigtenanteil ausländischer Fachkräfte. Das MINT-Beschäftigungswachstum von ausländischen Arbeitnehmenden war im Zeitraum vom 4. Quartal 2012 bis zum 1. Quartal 2021 sogar überproportional hoch. Bei der Gruppe der ausländischen Arbeitnehmenden nahm die Beschäftigung in MINT-Facharbeiterberufen um 55,0 Prozent zu. Die Bedeutung der Zuwanderung zeigt eine stark ansteigende Gruppe von Erfinderinnen und Erfindern mit ausländischen Wurzeln bei allen Patentanmeldungen. So nahm der entsprechende Anteil von 4,9 Prozent im Jahr 2000 über 8,4 Prozent im Jahr 2012 auf 11,3 Prozent im Jahr 2018 zu.

Grafik: Offene MINT-Stellen je 100 Arbeitslose in Deutschland nach Berufsaggregaten

Quellen:
www.ifo.de 
www.tu.berlin 
www.iwkoeln.de 
www.fraunhofer.de

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