Ingenieursberufe

Diplom als Ticket für steile Karrieren

Von Karl Heinz Möller · 2018

Auch wenn sich laut Arbeitsmarktanalysten die Dynamik bei technischen Berufen mit akademischem Hintergrund leicht abgeschwächt hat, werden die Aussichten auf eine Karriere mit Ingenieurstitel hoch eingestuft. Grund dafür ist – neben der Tendenz zur allgegenwärtigen Digitalisierung – der große Druck auf Produktivität und Effizienz im internationalen Wettbewerb. Kurzum: Als Basis für Erfolg sind Kandidaten mit dieser praktischen wie wissenschaftlichen Ausrichtung bestens vorbereitet.

Zwei Ingenieure bei der Arbeit. Thema: Ingenieursberufe

Trends wie Industrie 4.0, Energiewende oder Elektromobilität sowie die Digitalisierung des Alltages „werden die Aufgabenprofile für Ingenieure verändern“, betonen Ausbildungsexperten der einschlägigen Interessenvertretungen. Für junge Ingenieure und diejenigen, die jetzt ihr Studium aufnehmen, sei es deswegen ratsam, die technologischen Entwicklungen und ökonomischen Veränderungen sehr genau zu beobachten und zu analysieren. Für breit aufgestellte Allrounder und die eine oder andere Spezialisierung stehen die Fabriktore weit offen.

Die Bundesagentur für Arbeit hat ihre Analysen teilweise auf der Basis der ihr vorliegenden Arbeitsmarktzahlen vorgenommen. Demnach zeigt sich der Arbeitsmarkt für Ingenieure der Maschinen- und Fahrzeugtechnik nach wie vor positiv. Vor allem im Süden und Westen Deutschlands haben die Firmen der Fahrzeugtechnik demnach „Schwierigkeiten, offene Stellen in angemessener Zeit zu besetzen“. Im Maschinenbau sei dagegen in den kommenden Jahren „mit einer Beseitigung noch vorhandener Engpässe zu rechnen“.

In Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik blickt die Arbeitsagentur eher verhalten in die Zukunft. Einerseits sei die Zahl der offenen Stellen in der jüngeren Vergangenheit gestiegen, andererseits sei die Beschäftigung insgesamt tendenziell eher rückläufig: „Hier könnte eine Aufgabenverlagerung von der Elektrotechnik hin zur (technischen) Informatik eine Rolle spielen“, heißt es in Untersuchungen.

Spezialisierung sollte auf ein breites Basiswissen aufbauen

Unabhängig von der Fachrichtung sind die Berufschancen in Forschung und Entwicklung sowie Konstruktion und Produktion groß. Ingenieure fanden auch 2017 einen ausgesprochen guten Arbeitsmarkt vor. Laut VDI überstieg die Zahl der gemeldeten Stellen die des Vorjahres. Das Nachfragehoch der Jahre 2011 bis 2013 wurde allerdings nicht mehr erreicht. Die Zahl der Beschäftigten ist 2017 weiter gewachsen. Gleichzeitig nahm die Zahl der Arbeitslosen, die eine Tätigkeit als Ingenieur anstrebten, trotz wachsender Absolventenzahlen ab. Nach wie vor fällt sie so gering aus, dass man von Vollbeschäftigung sprechen kann.

Wegen der permanent neuen Entwicklungen spiele für den Einstieg oft die Bandbreite der Ausbildung eine Rolle, beispielsweise um die Schnittstellen zwischen den Segmenten abzudecken. Die Zweistufigkeit des Studiums mit Bachelor- und Masterabschlüssen beinhalte dabei die Chance, sich marktgerecht zu spezialisieren. „Die Basis muss sehr solide sein, dann kann man mit dem Master eine passgenaue Spezialisierung draufsatteln“, raten die Interessenvertreter.

Die nächste Generation wird andere technische Prioritäten vorfinden

Was die nächste Ingenieurgeneration aber auf dem Arbeitsmarkt erwartet, ist in vielen Wirtschaftszweigen ungewiss. „Im Rahmen unserer Analysen haben wir bisher bewusst davon abgesehen, künftige Entwicklungen im Detail zu prognostizieren“, sagt Sarah Berger, Bildungsexpertin am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Der Arbeitsmarkt werde nicht nur durch konjunkturelle und technologische Entwicklungen beeinflusst, sondern auch durch Faktoren wie die Studierneigung deutscher Abiturienten oder die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte.

Selbst wenn durch konjunkturelle oder technologische Entwicklungen keine ganz große Nachfrage initiiert würde, „reicht der Ersatzbedarf für eine gute Nachfrage am Arbeitsmarkt aus“, ist Funk überzeugt. Hintergrund: Die „Babyboomer“ kommen in die Jahre und verabschieden sich nach und nach aus dem Berufsleben in den Ruhestand.

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