Karriere 4.0

Werteversprechen für die berufliche Laufbahn von Hightech-Experten

Von Christian Raum · 2021

Gut ausgebildete Spezialist:innen kommen in einer spannenden und herausfordernden Zeit in den Beruf – sie legen die Grundlagen für die Digitalisierung und Arbeit mit den neuen Technologien. Hochschulabsolvent:innen sind die ersten, die sich bei dem aktuellen Generationswechsel ihre Arbeitgeber:in danach aussuchen, ob und inwieweit sie die Wertewelt für Arbeit 4.0 umgesetzt haben.

Ingenieurin bei einem Bauprojekt
Viele Unternehmen suchen gezielt nach Ingenieurinnen, um Führungspositionen zu besetzen. Foto: iStock / metamorworks

Studierende bringen Digitalisierung und Automatisierung in die Unternehmen, damit legen sie die Grundlagen für ihre zukünftigen Karrieren. Denn sie beherrschen aufgrund ihrer Ausbildung in sehr vielen Fällen eine Disziplin, welche die vorherigen Generationen nicht oder nur in Ansätzen erworben haben – die digitale Transformation. Viele haben sich dieses Know-how in Projekten erarbeitet, in denen Industrie und Hochschulen an einem gemeinsamen Wissenstransfer arbeiten. Hier konnten sie schon während des Studiums erforschen und lernen, wie sich die von ihnen entwickelten Algorithmen und Methoden unmittelbar positiv auf die Arbeits- und Produktionsprozesse auswirken. Neben Forschung und Lehre ist Wissenstransfer die dritte gesetzlich verankerte Aufgabe der Hochschulen. Ideen-, Wissens-und Technologietransfer stellt nicht nur sicher, dass Absolvent:innen mit einiger Praxiserfahrung auf den Arbeitsmarkt kommen. Eine zweite Intention ist, dass die Unternehmen direkt von Forschungsergebnissen profitieren. Und für viele berufliche Neueinsteiger ist er eine Garantie dafür, dass sie mit ihrem digitalen Wissen in einer Arbeitswelt ankommen, in der sie tatsächlich auch mit den Werkzeugen arbeiten, die sie an der Hochschule kennengelernt haben. Auch eine dritte wichtige Kompetenz wird gelernt – menschliche Faktoren wie die Zusammenarbeit in Teams oder das Erarbeiten von Ergebnissen in einer Gruppe. Personalabteilung und auch Headhunter loben die Zusammenarbeit von Hochschulen und Industrie bei der Forschung. Besonders wichtig ist, dass die Kandidat:innen nach einem Wechsel in ein Unternehmen ihr Know-how unmittelbar in die Wertschöpfungsprozesse einbringen können. 

Gemeinsame Projekte von Hochschulen und Industrie

Inzwischen gibt es viele Erfolgsgeschichten, wie sich Studierende und Doktoranden mit ungewöhnlichen Ideen und dem Einsatz digitaler Technologien schon während des Studiums in der Industrie bewähren. Häufig haben sie mit Projekten aus der Hochschule heraus in bestimmten Unternehmensbereichen die digitale Transformation angestoßen oder doch zumindest eigene digitale Fußspuren hinterlassen.

Projekte in diesem Bereich sind beispielsweise Virtuelle-Reality-Anwendungen in der Produktion und der Qualitätssicherung. Studierende konnten mit Cybersecurity-Anwendungen die Produktionen und Infrastrukturen ihrer Partner aus der Industrie auf ein neues Niveau heben. Und auch im medizinischen Bereich ist die gemeinsame Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe oder Apparaturen in Projektteams Praxis. Absolvent:innen, die mit einer solchen Historie aus den Universitäten kommen, haben die Chance, sich als gut bezahlte Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt zu platzieren. Idealerweise macht das Unternehmen, den Studierenden mit denen sie bereits erfolgreich und gewinnbringend geforscht haben, ein gutes Stellenangebot. Somit ist der Übergang in den neuen Beruf und der Start der Karriere fließend.

Selbstständigkeit und Gründung eines Startups 

Die hohe Kunst der Karriere 4.0 in der neuen und digital geprägten Welt ist es, an der Universität aus einem Projekt oder einem Kurs heraus ein eigenes Unternehmen zu gründen. Mit Unterstützung der Hochschule und der Projektpartner können Studierende eine Nische in der Hochtechnologie besetzen, die große Entwicklungschancen bietet. Aus dem Stand entwickeln Entrepreneure nicht nur ihre eigenen Karriereoptionen rund um Industrie 4.0, Data-Science-Expertise oder künstliche Intelligenz. Sondern sie schaffen Arbeitsplätze für Gleichgesinnte und Gleichdenkende. Die sind begehrt – denn für viele ist die Arbeit in einem Startup gleichbedeutend mit einer Work-4.0-Karriere und einer damit verbundenen neuen Arbeitswelt und Unternehmenskultur. So ist es kein Wunder, dass Hochschulen in Lehre und Forschung die Studierenden bei der Gründung eines eigenen Unternehmens oft unterstützen. Über ihre technische oder auch medizinische Ausbildung heraus erhalten sie Einblicke in Ideen- und Wertversprechen der neuen Unternehmenskultur. In manchen Fällen bieten Hochschulen oder Unternehmen auch finanzielle Unterstützung aus speziellen Fördertöpfen an, mit denen die Umsetzung des Geschäftsmodells in der realen Welt unterstützt wird.

Karriere 4.0: Dreiklang aus Selbstvertrauen, Kreativität, Identifikation 

Nicht jede Hochschulabsolvent:in plant eine steile berufliche Laufbahn. Doch die Chancen von Headhunter oder Unternehmen direkt angesprochen zu werden stehen nicht schlecht. Denn die demoskopische Entwicklung arbeitet zu Gunsten der Kandidat:innen auf dem Arbeitsmarkt. Schon heute berichten Personalverantwortliche, dass sich die Unternehmen für bestimmte Berufe um die Mitarbeit der Kandidat:innen bewerben müssten. Dafür gibt es sogar schon einen Fachausdruck. Karrierebewusste Studienabgänger:innen starten ihre Laufbahn beim Unternehmen ihrer Wahl – dem „Employer of Choice“. Sie kommen in einer spannenden und herausfordernden Zeit zu ihren neuen Arbeitgebern – und legen dort die Grundlagen für die Digitalisierung und Arbeit mit den neuen Technologien. Dafür ist ihre Kreativität gefragt, im Gegenzug fordern sie Partizipation und positive Veränderungen in ihrem beruflichen Umfeld. Hochschulabsolvent:innen sind die ersten, die sich bei dem aktuellen Generationswechsel ihren Arbeitgeber danach aussuchen, ob und inwieweit hier die Wertewelt für Arbeit 4.0 umgesetzt ist. Dazu gehören eine starke Solidargemeinschaft innerhalb der Organisation, zu der auch eine selbstverständliche Gendergerechtigkeit zählt. Für das Versprechen mit der Arbeit einen echten und nachhaltigen Wohlstand zu gewinnen, geben sie das Versprechen einer ständigen „Selbstoptimierung“, die auf lebenslangem Lernen und Qualifizierung beruht. Sie sind daran interessiert, sich in der Arbeit zu verwirklichen, ihre Spuren in der Organisation zu hinterlassen und sich immer wieder neu zu erfinden. Und je mehr sich die hochqualifizierten Mitarbeitenden mit „ihrem“ Unternehmen identifizieren und dieses auch nach außen hin positiv bewerten, als umso erfolgreicher gilt dieses im Bereich „Employer Branding“. Hier schließt sich der Kreis zu den Hochschulen, deren Weiterbildungsangebote fundamental für die Arbeit 4.0 sind – und mit denen die Mitarbeiter:innen aus ihren Managementpositionen heraus den Wissenstransfer fortführen und perfektionieren, mit dem sie als Studierende ihre Karriere begonnen haben.

Quellen:
Universität Siegen: Strategie für den Wissenstransfer 2017
Beuth-Hochschule: Gründung
David Kelley: Wie man kreatives Selbstvertrauen aufbaut​

Wussten Sie schon, dass …

… für die Entwicklung von IT-Anwendungen und Apps für eine durchgängige Digitalisierung von Wirtschaft und Unternehmen viele Millionen Programmierer:innen, IT-Spezialist:innen und Informationswissenschaftler:innen fehlen? Das Problem wird unter dem Stichwort „App Gap Challenge“ diskutiert. Eine vorgeschlagene Lösung ist es, dass Softwareprogramme entwickeln zu einer Kernkompetenz der Mitarbeitenden wird – gleichgültig, ob sie in Büros, in der Fertigung oder im Management arbeiten. Hierzu kaufen die Unternehmen sogenannte „Low-Code“-Werkzeuge ein. Mit dieser Software können Kolleg:innen ihre Arbeitsprozesse in Anwendungen oder Apps digital nachbilden und nach einer Überprüfung durch die Digitalisierungsverantwortlichen für die Nutzung in der gesamten Organisation freischalten lassen. Ziel ist ein Unternehmenseigener „App-Store“, in dem die Software der sogenannten „Citizen Developer“ gesammelt ist.

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